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Über
Video-Porträts
Da das Zeitelement für den Blick
von großer Bedeutung ist, begann ich neben Zeichnung und Malerei
Videos aufzunehmen. Diese Videos sind sehr still und es ist nur
ein schmaler Grat zwischen dieser Art Film und einem Foto.
Der dadurch entstehende Eindruck eines sich bewegenden Standbildes’
ist für die Zuschauer immer wieder überraschend. Da ich
die Videos als Endlosband zeige, kann man über Stunden in ein
Gesicht blicken. Auch das ist ungewohnt für die Betrachter,
zumal es mit dem unserer Kultur eigenen Tabu kollidiert, dass man
in ein sich bewegendes / lebendes Gesicht nicht länger als
ein paar Sekunden schauen darf. Ein längerer Blick wird in
den meisten Fällen als Aggression gewertet.
Andy Wharhol filmte Serien von Besuchern der FACTORY, jeden drei
Minuten lang, immer unter gleichen Bedingungen (SCREENSHOTS / SCREENTESTS,
1964-1966).
Auch Thomas Struth machte Aufnahmen von Menschen, die eine Stunde
vor dem Objektiv seiner Kamera saßen, die er als Video.Porträts
zeigt. (1HOUR, video-portraits, 1997).
Außer einer formalen Nähe zu den Arbeiten Struths und
Wharhols, liegt meiner Arbeit jedoch eine andere Absicht zugrunde.
Dies drückt sich bereits in einer anderen Arbeitsweise aus.
Wesentlich dafür ist die Dauer der Aufnahme. Diese Dauer wird
bestimmt durch die Fähigkeit der Porträtierten in ihrem
eigenen Blick zu bleiben. Die meisten sind in der Lage das für
drei Minuten zu tun, manche kürzer, andere erheblich länger.
Das worum es mir geht, ist das Bild eines Menschen der schaut, jemand
der sich des eigenen Blicks bewusst ist.
Das scheint einfach zu sein, ist es aber nicht. Es ist ein eher
seltenes Ereignis, da wir alle nicht daran gewöhnt sind zu
sehen ohne etwas anzuschauen, oder mehr noch ohne die Erwartung
angeschaut zu werden.
Der Blick ist korrupt geworden durch die Hoffnung und die Furcht
gesehen zu werden. Durch diese Art des Blicks werden wir zu Objekten.
Wir verwandeln uns durch das eigene Schauen vom Subjekt zum Objekt.
Aus diesem Grund arbeite ich hauptsächlich
daran Situationen zu schaffen in denen die Porträtierten und
ich Selbst Subjekte bleiben können. Dieser Wechsel der Perspektive
kann in den Videos gesehen werden. Das Gefühl konspirativ in
eine Privat-Sphäre einzudringen entsteht nicht und der Betrachter
wird nicht zum Spion oder Voyeur in Gegenwart dieser Bilder.
Das Thema meiner Arbeit ist der Blick als grundlegendes Element
des menschlichen Bewusstseins. Um Bilder zu erschaffen, die den
Fokus auf den Blick lenken, versuche ich ablenkende Informationen
auszuschalten. So werden z.B. Haarschnitte, Hautbeschaffenheit,
etc, soweit es geht zurückgedrängt, jedoch muss auch die
Irritation vermieden werden, die durch das Fehlen dieser Information
entstünde.
Das Schauen geschieht nicht nur mit den Augen: manche Menschen schauen
mit dem Hals, der Stirn, oder den Ohren gleichermaßen. Blinde
schauen mit verschiedenen Körperteilen. Um herauszufinden welcher
Teil des Gesichtes. für den Blick von Bedeutung ist, mache
ich Zeichnungen von dem, was ich von der Präsenz eines Menschen
erinnere. Diese Zeichnungen führen zu den speziellen Bildausschnitten,
die den Video-Porträts eigen ist.
KK 2001 |
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